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Azure, AWS oder Google Cloud: Der ehrliche Vergleich für Schweizer KMU

Welcher Cloud-Anbieter passt wirklich zu Schweizer KMU? Dieser ehrliche Vergleich von Azure, AWS und Google Cloud zeigt Kosten, Datenschutz und Stärken – ohne Marketing-Versprechen.

Elia Kuratli
Elia Kuratli

Solution Engineer

5 Min. Lesezeit
Azure, AWS oder Google Cloud: Der ehrliche Vergleich für Schweizer KMU

Azure, AWS oder Google Cloud: Der ehrliche Vergleich für Schweizer KMU

Viele Schweizer KMU planen eine Cloud-Migration, bleiben dann aber bei derselben Frage stecken: Azure, AWS oder Google Cloud? Alle drei versprechen Skalierbarkeit, Sicherheit und Kosteneffizienz. Aber welcher Anbieter passt wirklich zu einem Schweizer Unternehmen mit 20 bis 500 Mitarbeitenden?

TL;DR

  • Azure ist die beste Wahl, wenn Sie bereits Microsoft 365 nutzen und Hybrid-Cloud-Setups brauchen.
  • AWS bietet die grösste Servicevielfalt und eignet sich für technisch versierte Teams.
  • Google Cloud punktet bei Datenanalyse und KI-Workloads, ist aber in der Schweiz weniger verbreitet.
  • Schweizer Datenschutz (DSG/DSGVO) ist bei allen drei Anbietern erfüllbar, allerdings mit unterschiedlichem Aufwand.

Was unterscheidet die drei grossen Cloud-Anbieter grundsätzlich?

Azure, AWS und Google Cloud sind Hyperscaler, also globale Cloud-Plattformen, die Rechenleistung, Speicher und über 200 Dienste on demand bereitstellen. Der entscheidende Unterschied liegt nicht in der Technik, sondern in der Ausrichtung.

Microsoft Azure (Azure) ist tief in die Microsoft-Welt integriert. Wer Office 365, Teams oder Active Directory nutzt, profitiert sofort. Azure betreibt seit 2019 zwei Rechenzentren in der Schweiz (Zürich und Genf), ein klarer Vorteil für Compliance.

Amazon Web Services (AWS) ist der Marktführer mit dem grössten Service-Katalog. AWS hat jedoch kein eigenes Rechenzentrum in der Schweiz. Daten liegen standardmässig in Frankfurt oder Paris.

Google Cloud Platform (GCP) ist stark bei Big Data, Machine Learning und containerisierten Anwendungen. Google betreibt seit 2023 eine Cloud-Region in Zürich, aber die Partnerlandschaft in der Schweiz ist noch dünn.

Marktbild Schweiz: Microsoft Azure ist bei Schweizer Unternehmen der am häufigsten eingesetzte Cloud-Anbieter. Das hängt weniger mit technischer Überlegenheit zusammen als mit der weiten Verbreitung von Microsoft 365 und Active Directory.


Wie stehen die Anbieter beim Schweizer Datenschutz da?

Datenschutz ist für Schweizer KMU keine Kür, sondern Pflicht. Das revidierte Datenschutzgesetz (DSG), das seit September 2023 gilt, stellt klare Anforderungen an die Datenbearbeitung, vergleichbar mit der europäischen DSGVO.

KriteriumMicrosoft AzureAWSGoogle Cloud
Rechenzentrum SchweizJa, Zürich und GenfNein, nächste Region FrankfurtJa, Zürich
DSG/DSGVO-KonformitätVollständigMit KonfigurationMit Konfiguration
Schweizer SupportteamJaBegrenztBegrenzt
ISO 27001 zertifiziertJaJaJa
PreismodellPay-as-you-go + ReservedPay-as-you-go + Savings PlansPay-as-you-go + CUDs

Wichtig: "Rechenzentrum in der Schweiz" bedeutet nicht automatisch Compliance. Sie müssen aktiv konfigurieren, dass Daten die Schweiz nicht verlassen. Bei AWS bedeutet das: die Region explizit auf eu-central-1 (Frankfurt) oder eu-west-3 (Paris) setzen, oder mit einem lokalen Partner arbeiten.


Welcher Anbieter ist für Schweizer KMU am günstigsten?

Pauschalpreise gibt es nicht: Cloud-Kosten hängen von Workload, Verbrauch und Vertragslaufzeit ab. Trotzdem lassen sich realistische Richtwerte für typische KMU-Szenarien nennen.

Ein mittelgrosses KMU mit 50 Nutzern, einem ERP in der Cloud, Dateiablage und Standard-Backup zahlt je nach Konfiguration:

  • Azure: CHF 800–1'400 pro Monat
  • AWS: CHF 700–1'300 pro Monat
  • Google Cloud: CHF 650–1'200 pro Monat

Tipp: Alle drei Anbieter bieten Gratiskontingente und Startguthaben an. Nutzen Sie diese für einen Proof of Concept, bevor Sie migrieren.

Die reine Rechenleistung ist annähernd gleich teuer. Der Unterschied entsteht bei Egress-Gebühren (Daten aus der Cloud herausschicken), Support-Paketen und Lizenzkosten. Azure-Kunden mit bestehenden Microsoft-Lizenzen können durch den Azure Hybrid Benefit spürbar sparen, weil vorhandene Windows-Server- und SQL-Server-Lizenzen angerechnet werden.


Wie finden Sie in fünf Schritten den richtigen Anbieter?

  1. Bestandsaufnahme machen: Inventarisieren Sie alle Applikationen, Dateimengen und Compliance-Anforderungen. Was muss zwingend in der Schweiz bleiben?

  2. Microsoft-Abhängigkeit prüfen: Nutzen Sie bereits Microsoft 365 oder Active Directory intensiv? Dann ist Azure der logische erste Schritt, da Integration und Single Sign-on nahtlos funktionieren.

  3. Technisches Know-how einschätzen: AWS bietet die meiste Flexibilität, erfordert aber auch das meiste Fachwissen. Ohne erfahrenes DevOps-Team oder externen Partner wird es teuer.

  4. Workload-Typ definieren: KI-Projekte und Datenanalyse? Google Cloud. SAP und hybride Infrastruktur? Azure. E-Commerce-Plattformen mit globaler Reichweite? AWS.

  5. Schweizer IT-Partner beiziehen: Alle drei Hyperscaler haben zertifizierte Partner in der Schweiz. Ein lokaler Partner kennt das DSG, spricht Deutsch und ist in der gleichen Zeitzone.

Achtung: Ohne Cloud-Governance-Strategie entstehen schnell unkontrollierte Kosten. Vergessene Test-VMs, überdimensionierte Datenbanken und ungenutzte Speicher-Snapshots laufen ohne Budgetgrenzen (Cost Alerts) monatelang weiter und fallen erst auf der Rechnung auf.


Was empfiehlt sich konkret für Schweizer KMU?

Checkliste vor der Cloud-Entscheidung

  • Datenschutz-Anforderungen (DSG/DSGVO) schriftlich definiert
  • Bestehende Microsoft-Lizenzen auf Hybrid Benefit geprüft
  • Minimum 2 Angebote von zertifizierten Schweizer Partnern eingeholt
  • Exit-Strategie für Cloud-Lock-in definiert
  • Notfallplan (Business Continuity) an Cloud-Umgebung angepasst
  • Schulung der internen IT für das gewählte Portal geplant

Fazit: Welche nächsten Schritte lohnen sich?

Es gibt keinen universell besten Cloud-Anbieter für Schweizer KMU. Azure gewinnt bei Microsoft-lastigen Umgebungen und lokaler Compliance. AWS überzeugt bei Flexibilität und globaler Reichweite. Google Cloud ist die richtige Wahl für datengetriebene und KI-affine Unternehmen.

Was alle drei gemeinsam haben: Der Erfolg einer Cloud-Migration hängt weniger vom Anbieter ab als von der Planung, der Governance und dem richtigen Partner an Ihrer Seite.

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Häufige Fragen

Haben AWS, Azure und Google Cloud Rechenzentren in der Schweiz?

Azure und Google Cloud betreiben je eine Region in Zürich. AWS hat kein eigenes Rechenzentrum in der Schweiz; die nächste Region ist Frankfurt (Deutschland).

Ist Microsoft Azure automatisch DSGVO- und DSG-konform?

Nicht automatisch. Azure bietet alle technischen Voraussetzungen, aber Sie müssen aktiv konfigurieren, dass Daten in der Schweizer Region gespeichert bleiben, und die richtigen Datenschutzverträge (DPA) abschliessen.

Was kostet Cloud für ein KMU mit 50 Mitarbeitenden in der Schweiz?

Je nach Workload zwischen CHF 700 und CHF 1'400 pro Monat bei allen drei Anbietern. Grösster Kostentreiber ist meist die Datenspeicherung und der ausgehende Datenverkehr.

Lassen sich Azure und AWS gleichzeitig nutzen (Multi-Cloud)?

Ja. Multi-Cloud ist technisch möglich und wird von grösseren KMU eingesetzt, um Lock-in zu vermeiden. Es erhöht jedoch die Komplexität und den Verwaltungsaufwand erheblich.

Ist für die Cloud-Migration zwingend ein externer Partner nötig?

Nicht zwingend, aber empfohlen. Ein zertifizierter Schweizer Cloud-Partner spart erfahrungsgemäss Migrationskosten, weil er typische Fehler vermeidet und die Architektur von Beginn weg passend dimensioniert.

Elia Kuratli

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